Von Künstlicher Intelligenz bis Virtueller Realität – Ein Jahr BDC Heidelberg

Vor genau einem Jahr, am 23 Oktober 2019, wurde das Business Development Center (BDC) in Heidelberg als sechster Standort des Technologieparks Heidelberg offiziell eröffnet. Inzwischen bietet es nicht nur mehreren Startups der Branchen IT, KI, Biotechnologie, Elektronik, Food und Medien sowie CO-Workern Raum. Es hat sich auch als Veranstaltungsort hochkarätiger internationaler Veranstaltungen bewiesen.

Ziel des BDC Heidelberg mit einer Fläche von rund 7000 Quadratmeter ist es, Forschern, Gründern und etablierten Unternehmen Raum zu geben – Raum mit Campusflair, kurzen Wegen und viel Flexibilität. Von Büroräumen über Werkstätten und Labors mit dem Sicherheitsstandard S2 bis hin zu Gemeinschaftsküchen, einer Cafeteria und einem Konferenzzentrum ist alles vorhanden was die Nutzer benötigen, um aus guten Ideen und Erfahrungen neue Lösungen zu entwickeln.

„Wir freuen uns, dass wir mit dem BDC einen Standort haben, der nicht nur junge Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen anlockt, sondern auch eine Plattform bietet für die Förderung von Zukunftsthemen wie Virtual Reality oder Künstliche Intelligenz“, so Thomas Prexl, Head of Innovation and Co-Creation am Technologiepark Heidelberg und Leiter der Heidelberg Startup Partners GmbH.

Technikzentrale für internationalen VR-Kongress

Auch als Veranstaltungsort hat sich das BDC im letzten Jahr mehrfach bewährt. Für die Shift Medical 2020, einem Event, auf dem sich vom 24.-26. September Akteure der IT- und Medizin-Branchen trafen, diente das Zentrum als „Schaltzentrale“. Die Shift Medical ist Europas erster großer Online-Kongress für Virtual Reality und Augmented Reality im Gesundheitswesen. Coronabedingt nutzte das Organisationsteam der Shift Medical ein außergewöhnliches Format für den Online-Kongress, das von der Burnthebunny GmbH, Evermynd UG und Dr. Lars Riedemann auf technischer Basis der TriCAT Spaces Plattform entwickelt wurde: Wie in einem Computerspiel konnten sich die rund 325 Teilnehmer auf dem Event frei als Avatare durch ein virtuelles Kongresszentrum bewegen.

Von ihrer Technikzentrale im BDC aus steuerte das Shift-Medical-Team den virtuellen Kongress. „Es gab tausende nicht vorhersehbare technische Herausforderungen, die wir dank exzellenter Zusammenarbeit und kurzer Entscheidungswege zwischen Moderatoren, Redner, unserem Design- und eigens zusammengestellten Tech-Teams alle meistern konnten“, resümiert Dr. med. Lars Riedemann, Initiator und wissenschaftlicher Direktor der Shift Medical. „Wir sind sehr zufrieden und Teilnehmer bezeichneten den Kongress als einzigartig, visionär und gelungen.“

Austragungsort für hybride Veranstaltungsformate

Ein weiteres Event fand am 1. Oktober im BDC Heidelberg als einem von insgesamt sieben Standorten in Baden-Württemberg statt: Der High Tech Summit 2020 wurde als hybride Veranstaltung von der Wirtschaftsinitiative bwcon (Baden-Württemberg connected) ausgerichtet. In zahlreiche Livestreams konnten sich die Teilnehmer unter dem Motto „Turning Data into Business“ Vorträge und Diskussionen zu aktuellen technologieorientierten Fragestellungen wie der Datennutzung in der Gesundheitsbranche, dem digitalen Handwerk und dem Kompetenzaufbau im Bereich KI ansehen und -hören.

Heimat des KI Lab Kurpfalz

Als Initiative des Technologieparks Heidelberg in Kooperation mit der bwcon war im April bereits das KI Lab Kurpfalz im BDC Heidelberg eröffnet worden. Dort werden nun regelmäßig Veranstaltungen zum Thema Künstliche Intelligenz durchgeführt – mit dem Ziel, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) einen niederschwelligen Zugang zur Zukunftstechnologie KI zu geben.

„Im BDC Heidelberg werden Pläne geschmiedet und Geschäftsideen verwirklicht“, sagt Prexl. „Ein Jahr nach seiner Eröffnung können wir sagen, dass sich unser neuer Standort in Heidelberg und darüber hinaus als Zukunftswerkstatt etabliert hat.“

Impulse, Innovationen und Investitionen – Business Angel Kongress Baden-Württemberg 2020

In diesem Jahr gehen die Veranstalter des „Business Angel Kongress Baden-Württemberg 2020“ neue Wege und richten ihr Event erstmalig im digitalen Format aus. Venture-Capital-Geber und Business Angels treffen am 23. November 2020 virtuell auf innovative und vielversprechende Startups, um sich gegenseitig Impulse zu geben, zu inspirieren und Kooperationen und Beteiligungen zu schließen. Auch Vertreter aus Politik und Wirtschaft werden zu dem spannenden Austausch mit der Risikokapitalszene erwartet.

Das Programm ist vielfältig: Charles Cameron von der Hub Angel Investment Group, Experte im Investment in vielversprechende Tech- und Life Science Unternehmen, hält einen Impulsvortrag. In einer Pitch-Session können Startup-Unternehmer Kapitalgeber von ihrer Geschäftsidee überzeugen. Es folgen Best Practise-Beispiele aus bestehenden Kooperationen und es gibt einige Gelegenheiten zum Vernetzen.

Das Event wird auch in diesem Jahr vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg unterstützt und von den Heidelberg Startup Partners, dem MAFINEX Gründerverbund Rhein-Neckar und Startup BW veranstaltet. „Im MAFINEX Technologiezentrum in Mannheim haben wir die idealen Voraussetzungen, um das Event hybrid oder auch rein online durchzuführen“, bestätigt Sonja Wilkens, Geschäftsführerin des MAFINEX Gründerverbund Rhein-Neckar e. V. „Die Corona-Pandemie stellt uns vor besondere Herausforderungen, die wir mit Flexibilität und Optimismus annehmen. Schließlich liegt in allem Neuen auch eine Chance.“

„Wir freuen uns auf rege Teilnahme und einen intensiven Austausch, ergänzt Thomas Prexl, Geschäftsführer der Heidelberg Startup Partners am Technologiepark Heidelberg. „Auch unter den besonderen Umständen in diesem Jahr wird der Kongress wieder interessante Kontakte mit Business Angelsermöglichen und es wird Gelegenheit geben, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen.“

Weitere Informationen und Anmeldung auf https://business-angel-kongress-bw.de/

Wie Virtual Reality in der Medizin Anwendung findet

Im Juni 2021 findet in Boston (USA) die MedVR statt – der weltweit erste Hackathon für Anwendungen immersiver Technologien wie Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) im Gesundheitssektor. Ziel der Veranstaltung ist es, Kliniker, Wissenschaftler, Entwickler, Designer und andere Fachleute in interdisziplinären Teams zusammenzuführen, um aus guten Ideen auf dem Gebiet der VR und AR Prototypen für den Gesundheitsmarkt zu entwickeln. Eine etwa einjährige Online-Veranstaltungsserie, die Teil des Gesamtkonzeptes der MedVR ist, gibt es für Interessenten jetzt schon die Gelegenheit, sich weiterzubilden.

Initiator der MedVR ist die Grassroots Developer Education, Inc., eine US-amerikanische gemeinnützige Bildungseinrichtung. Sie bietet technischen Wettbewerben und Hackathons an, die sich auf die Entwicklung und Anwendung neuer Technologien in den Bereichen Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR) und maschinelles Lernen bewegen. Zu den europäischen Partnern der Veranstaltung gehören der Technologiepark Heidelberg, die Heidelberg Startup Partners und die Universität Heidelberg. „Seit Jahren veranstalten wir mit großem Erfolg den Reality Virtually Hackathon am MIT Media Lab in Boston. Aus dieser Initiative heraus entstand im letzten Jahr die Idee, ein solches Event speziell für den Gesundheitssektor anzubieten., erklärt Steven Max Patterson, Präsident der Grassroots Developer. „Wir haben in der jüngeren Vergangenheit enormes Potenzial bei der Integration immersiver Technologien im Gesundheitswesen wahrgenommen – sei es bei Diagnostik oder Therapie, bei der Optimierung von Workflows, Ausbildungsangeboten oder anderen Anwendungen im Gesundheitswesen.“

Online-Trainingsreihe läuft bereits jetzt / einjähriges Fortbildungsangebot

Schon jetzt laufen im Vorfeld des Bostoner Hackathons eine Serie von Online-Veranstaltungen, die führende Experten aus beiden Welten – Medizin und Technologie – miteinander vernetzen und über wichtige Entwicklungen im Bereich der medizinischen XR-Anwendungen informieren. Das Vorlesungsprogramm ist verfügbar unter: https://medvr.io/online-talks

Die Online-Präsentationen sind der Auftakt einer etwa einjährigen kontinuierlichen Lehrveranstaltung, die im Hackathon im Juni 2021 in Boston mündet. Sie nutzt unterschiedliche Ausbildungsformate, von der Vorlesung über Workshops bis hin zu Mentorenprogrammen um das Programm zu vermitteln. Dieses ist in drei Teile: „Forschung und Ideenfindung“, Design und Innovation, „Entwicklung und Einsatz“ aufgeteilt.

„Wir haben diese Aufteilung vorgenommen, damit wir unseren Teilnehmern das ‚Was?, Warum? und Wie?‘ in allen Stufen der Produkt- und Anwendungsentwicklung näherbringen können“, so Steven Patterson. „Dafür haben wir sowohl für die Mediziner als auch für die Technologen einen ausgefeilten Lehrplan entworfen.“ In diesem Curriculum werden neben medizinischen Fragestellungen und Fragen zur Technologie und zum Design der Anwendung auch regulatorische und Compliance-Themen behandelt.“

 

Begriffe:

Der Bereich der immersiven Technologien – auch Extended Reality (XR) genannt – umfasst Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) und die gemischte (Mixed) Realität (MR).

  • AR erweitert die reale Welt mitvirtuellen Objekten und Informationen.
  • VR schafft eine komplett computergenerierte Umgebung und blendet die reale Welt dabei aus.
  • MR verbindet die reale mit einer virtuellen Welt,wodurch eine komplett neue Umgebung entsteht.

 

Drei Fragen an Steven Patterson, Präsident der Grassroots Developer und Initiatro der MedVR

1. Wie kamen Sie auf die Idee, eine internationale Weiterbildungsreihe zu medizinischen Anwendungen der Virtual Reality auf die Beine zu stellen?

Es begann im Jahr 2015, als ich von einer Google-Entwicklerkonferenz mit einem Google Cardboard zurückkam. Lernen macht mehr Spaß, wenn man es mit Freunden tut. Also lud ich meine Netzwerkfreunde zum Experimentieren ein. Google überließ mir dafür an einem Samstag ihr Cambridge Lab. Wir besorgten ein paar Boxen voller Gear VRs, ich kaufte 60 Cardboards und 110 Designer und Entwickler kamen. Viele von uns gingen nach einem Tag voller Vorträge und Prototyping auf einen Drink und ein Abendessen zum Kendall Square. Rus Gant, Leiter des Visualisierungslabors von Harvard, beriet uns bei unserer ersten Session bei Google teil.

Wir führten zusammen ein paar weitere paar Hackathons dort durch und zogen schließlich auf Rus` Wunsch nach Vergrößerung und Professionalisierung des Events hin ins MIT Media Lab um, so dass wir Platz für 460 Personen in insgesamt 100 interdisziplinären Teams hatten.

Von veranstalteten wir unseren Hackathon jedes Jahr mit wachsendem Erfolg. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass wir bei unseren Hackathons auf spezifische Anwendungen hinarbeiten mussten. Als ich 2019 an der Konferenz für virtuelle Medizin in Los Angeles teilnahm, an der auch eine Reihe renommierter Ärzte waren, wurde mir klar, dass wir im Gesundheitssektor viele dieser konkreten, evidenzbasierten Anwendungen finden. Und die Idee, einen Hackathon für VR- und AR-Anwendungen in der Medizin zu organisieren, war geboren.

2. Inwiefern hat die Corona-Pandemie Ihre Pläne beeinflusst?

Ursprünglich hatten wir die MedVR als reine Präsenzveranstaltung für 2020 geplant. Als klar war, dass wir sie nicht planmäßig durchführen können, haben wir den Hackathon auf das nächste Jahr verschoben und eine Online-Präsentationsreihe vorgeschaltet, in der alle 14 Tage ein Referent über innovative Themen rund um medizinische VR-Anwendungen spricht. Darunter sind hochkarätige Redner wie Walter Greenleaf von der Stanford University, quasi der „Urvater“ der der medizinischen VR- und AR“ – um nur einen von vielen zu nennen.

Ab Januar 2021 werden wir dann mit unserem Online-Fortbildungsprogramm noch tiefer in die Thematik einsteigen – bis schließlich im Juni der Hackathon ansteht. So ist aus dem Hackathon ein etwa einjähriges Fortbildungsangebot geworden. So gesehen hat die MedVR durch die Pandemie noch an Qualität gewonnen.

3. Haben Sie vor, die MedVR künftig regelmäßig zu veranstalten?

Ja – das ist zu aufwändig, um es nur einmal zu tun. Unser Ziel ist es, innovative Prototypen herzustellen, die den Entwicklern zu Forschungszuschüssen verhelfen oder Investitionen durch Großunternehmen und die den Teilnehmern eine berufliche Perspektive geben. Und gleichzeitig werden wir unser Wissen über Spatial-Computing-Technologien wie VR und AR im Gesundheitswesen vertiefen.

 

Das Interview führte Dr. Elke Matuschek

Corona-Hilfe: Start-up BW Pro-Tect

Baden-Württemberg ist mehr denn je auf innovative Nachwuchsunternehmen angewiesen. Das Wirtschaftsministerium unterstützt von der Corona-Krise betroffene Start-ups deshalb mit dem Förderprogramm „Start-up BW Pro-Tect“, einer Ausweitung der Frühphasenförderung „Start-up BW Pre-Seed“. „Besonders aussichtsreiche Gründungsvorhaben, die den Wirtschaftsstandort schon morgen entscheidend mitgestalten könnten, dürfen in dieser Krise nicht verloren gehen“, erklärte Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut heute (20. April) in Stuttgart. „Start-ups mit Wachstumspotential sind häufig auf Bankdarlehen und mutige Investoren angewiesen. Schon unter normalen Umständen bedeutet das nicht selten das Aus für viele Geschäftsideen. Aufgrund der Corona-Pandemie haben Gründerinnen und Gründer nun verstärkt mit ausbleibenden Finanzierungsrunden und daraus resultierenden Liquiditätsengpässen zu kämpfen. Hier setzt unsere Hilfe an.“

„Start-up BW Pro-Tect“ richtet sich an Start-ups, welche schon die erste Phase hinter sich haben, aber aufgrund der Pandemie in Schwierigkeiten geraten sind – vorausgesetzt, sie sind nicht älter als fünf Jahre. Ziel des Förderprogramms ist es, kurzfristige Liquiditätsengpässe bis zur nächsten Finanzierungsrunde zu überbrücken. Ab sofort können betroffene Start-ups den rückzahlbaren Zuschuss in Höhe von bis zu 200.000 Euro bei den Pre-Seed-Partnern des Wirtschaftsministeriums beantragen.

Der große Vorteil von „Start-up BW Pro-Tect“ besteht in den bewährten Förderstrukturen, betonte die Ministerin: „Jetzt zahlt es sich aus, dass wir unsere Start-up BW Acceleratoren in den letzten Jahren etabliert und ausgebaut haben. Die Start-ups haben in dieser Ausnahmesituation kompetente Ansprechpartner vor Ort, an die sie sich auch für die Beantragung von ‚Start-up BW Pro-Tect‘ wenden können.“

Weitere Informationen

„Start-up BW Pro-Tect“ ist eine Ausweitung der bundesweit einmaligen Frühphasenförderung „Start-up BW Pre-Seed“ auf krisengeschüttelte Start-ups, die die erste Finanzierungsrunde schon erfolgreich beendet haben. Sie wird wie ein Wandeldarlehen gewährt und kann einen ersten Kapitalbedarf von bis zu 200.000 Euro abdecken, wovon 80 Prozent vom Land finanziert werden und 20 Prozent von privaten Ko-Investoren stammen müssen. In begründeten Ausnahmefällen kann der Zuschuss auch bis zu 400.000 Euro betragen.

Die Voraussetzungen für eine Förderung sind:

  • Der zusätzliche Liquiditätsbedarf muss aufgrund von negativen Effekten durch Corona entstanden sein.
  • Die Gründung des Start-ups darf nicht länger als fünf Jahre zurückliegen und es wurden noch keine Gewinne ausgeschüttet (Gemäß Artikel 22 AGVO).
  • Grundsätzlich darf noch nicht mehr als zwei Millionen Euro Eigenkapital aufgenommen worden sein.
  • Es muss sich um ein wachstumsorientiertes Geschäftsmodell handeln, welches im Kern von innovativen Produktentwicklungen oder Anwendungen getragen wird (z. B. KI-Anwendungen, Plattformtechnologien, E-Commerce, Smart-Green-Technologien, Industrie 4.0 oder Life Sciences).
  • Die Empfehlung sowie die Begleitung muss durch einen Start-up BW Accelerator und Programmpartner von „Start-up BW Pre-Seed“ erfolgen.
  • Privaten Ko-Investoren müssen unverändert mindestens 20 Prozent der jeweiligen Start-up-Finanzierung zu gleichen Konditionen wie das Land übernehmen.
  • Die Berechnungsgrundlage für den Finanzierungsbetrag ist der „Cashburn“, also die fortlaufenden zahlungswirksamen Kosten abzüglich etwaiger Umsätze der nächsten sechs Monate.

Das Programm ist ein zentraler Bestandteil der Landeskampagne „Start-up BW“ des Wirtschaftsministeriums und wird von der L-Bank, der Förderbank des Landes Baden-Württemberg, betreut.